3.22.2009


Die Geschichte Der Sonne Und Des Mondes


Das Projekt wurde im Rahmen des Seminars: Inzerdisziplinäres Projekt-Forum am Masterstudiengang ’Art in Context’ (www.kunstimkontext.udk-berlin.de) an der Universität der Künste, Berlin, unter der Leitung von Wolfgang Knapp und in Zusammenarbeit mit Inzerdisziplinäres Projekt-Forum Gruppe entwickelt und später mit der Theatergruppe erprobt und durschgeführt.
Ein Extra-Dankeschön für Mitwirkung an:
Wolfgang Knapp( Dozent IfkiK UdK Berlin), Inzerdisziplinäres Projekt-Forum (IfkiK UdK Berlin), Christoph Balzar, Anja Bodanowitz, Àgnes Farkas, Phil Stanway und Alinka
An unsere Aufführung Orte: Villa Rixdorf und Rroma Aether Klub Theater
Für die Akteure:
Bence Bakai, Emese Benkö, Márta Dancs, Christine Lander, Melanie Ludwig,
Für die Fotos an Barbara Antal




Diese Geschichte handelt von den ersten zwei Menschen, die einst die Ordnung der Natur wiederherstellten, indem sie die von einem Riesen entführten Gestirne der Sonne und des Mondes befreiten und an ihren rechten Platz zurück brachten. Im Wechsel zwischen Realität und Mythos und klassischer und moderner Gestaltung bietet dieses
Bühnenspiel eine wunderbare Reise durch Vision, Mythologie und Wirklichkeit. Das Ergebnis ist manchmal sehr lustig, zumeist jedoch sehr menschlich, da es unsere Gesellschaft direkt reflektiert.

3.13.2009

Konzept und Ziel

In Zusammenarbeit mit Jugendlichen aus Neukölln möchten wir Die Geschichte der Sonne und des Mondes, den Schöpfungsmythos der Roma als interaktive Bühneninszenierung im Rahmen von 48 Stunden Neukölln 2009 präsentieren.

Diese Geschichte handelt von den ersten zwei Menschen, die einst die Ordnung der Natur wiederherstellten, indem sie die von einem Riesen entführten Gestirne der Sonne und des Mondes befreiten und an ihren rechten Platz zurück brachten. Obgleich sie vorher ethnisch gleich waren, entstanden im Laufe dieser Odyssee in Folge äußerer Einflüsse die uns heute bekannten Besonderheiten unterschiedlicher Hautfarben.

Diese Geschichte ist gerade heute für Menschen im 21. Jahrhundert sehr aktuell, sie konfrontiert uns mit unserer eigenen Identitätbildung und verschiedenen Weltbildern, zwischen denen wir uns immer wieder neu entscheiden müssen. Unsere Ziel ist, mit Hilfe dieser Bühnendarstellung einen interkulturellen europäischen Dialog ins Leben zu rufen, durch den sich Menschen unterschiedlicher Herkunft und Kultur im Rahmen der Kunst einander annähern können. Es soll unser gesellschaftliches Bewusstsein und die menschliche Wahrnehmungen von Zusammenhängen zwischen verschiedenen Kulturkreisen anregen, mit der Gewissheit, dass unsere Beziehung zur Natur eigentlich sehr viel mit unserer menschlichen Identität zu tun hat.
Wenn wir uns selbst genau betrachten, dann können wir unsere Umgebung, unsere Mitmenschen und so unsere Natur aus gänzlich neuen Perspektiven betrachten. Das Bühnenspiel bietet deshalb sowohl für die Agierenden als auch für die ZuschauerInnen gerade das an. Das Konzept eines Ortes für alle Menschen, ohne ethnische Unterscheidung.

Ein sehr wichtiger Punkt in dem Projekt ist die Theaterarbeit mit Kindern und Jugendlichen aus Migrantenfamilien. Wir bringen gemeinsam ihre Lebensrealität ins Spiel, wir entwickeln ihre eigenen Vorstellungen von Umwelt, Natur, Mythos und Wirklichkeit und schaffen daraus unser Bühnenbild, unsere Kostüme und Texte. So wird der Mythos zu einem erfahrbaren Ort, den man kennt, so kommt gelebtes Leben auf die Bühne.

Die Geschichte dieses Schöpfungsmythos stammt aus einer literarischen Sammlung von Kulturgütern der ungarischen Roma-Minderheit, gehört zu unserem Weltkulturerbe und somit unserer Identitätsquelle.Darin können wir uns wiederfinden und vielleicht auch neu erkennen. Roma-Mythen erzählen genauso, wie Mythen anderer Völker, über die Schöpfung der Welt und des Menschen.1 Wie aber Wlislocki unter Bezug auf einen Mythos der siebenbürgischen Roma 1884 formulierte: die Geschichte prägt kein ausschließliches Besitztum eines einzigen Volkes, sondern gehört zur ganzen Menschheit.2
1 Vgl. Gisela Reller / www.reller-rezensionen.de zum Rajko Djuric: Die Literatur der Roma und Sinti
2 Vgl. Zoltán Újváry: Testvért láttak benne. - Wlislocki Henrik cigány néprajzi munkásságának áttekintése. - in
http://www.napkut.hu/naput_2006/2006_09/015.htm

Hintergrund und Realisierung

Das Spiel wird an einem „gefundenen Ort“, mit Hilfe multimedialer Effekten realisiert. Die wichtigste Bühnenelemente sind 2 „Japan Türen“ und ein Metronom; ein wichtiges Merkmal des Erzählens ist die Wiederholung. Die Elemente des klassischen Märchenerzählens werden mit Elemente des modernen Bühnenspiels gemischt.

Unser Bühnenspiel wurde von dem französisch-ungarischen Choreografen Pal Frenak inspiriert, der in Budapest die "Compagnie Pal Frenak" gegründet hat. Seine Stücke sind intensive, grelle Reflexionen gegenwärtiger gesellschaftlicher Verhältnisse. Ähnlich werden auch wir mit theatralischen, musikalischen und tänzerischen Elementen diesen Schöpfungsmythos inszenieren, wobei sich Natur-Sounds und live-Musik mit Gitarre und Maultrommel komplementär ergänzen.
Durch eine mit dem Bühnenspiel zusammen hängende Videoinstallation, welche die mythologische Thematik auch formell in unsere Gegenwart und Wirklichkeit überträgt, können wir einen alternativen Handlungsstrang als Film mit verfolgen. Das ermöglicht uns, den Mythos völlig neu zu beleuchten. So können wir z.B. nicht nur das klassische Bild des Riesen zeigen (übergroß, gewalttätig, bedrohlich), wir können dies auch durch die Videoprojektion zeitgenössich metaphorisch bedeuten durch Bilder, die allgemein mit den Attributen des riesigen, gewaltigen, furchteinflößenden behaftet sind. Die Zuschauer werden durch diskrete Interaktionen - wie z. B. das Blasen einer Trompete, um den Märchenerzähler aufzuwecken - zum Mitspieler und die Akteure durch ihre an das Publikum gerichteten Fragen wiederum Teil des Publikums.

Im Wechsel zwischen Realität und Mythos und klassischer und moderner Gestaltung bietet dieses Bühnenspiel eine wunderbare Reise durch Vision, Mythologie und Wirklichkeit. Das Ergebnis ist manchmal sehr lustig, zumeist jedoch sehr menschlich, da es unsere Gesellschaft direkt reflektiert. Diese Inszenierung soll die Möglichkeit geben, unsere Beziehung zur Natur und zu unseren Mitmenschen zu überdenken. Die Neuköllner und auch alle anderen Zuschauer, Mitspieler und Akteure können durch den künstlerischen Prozess und die Aufführung bei der Suche nach den Bausteinen eines kollektiven gesellschaftlichen Erbes behilflich sein. Durch das gemeinsam Erlebte nähern wir uns einander an.

Märchen sind Kunstwerke. Sie werden gerade durch das Erzählen zum zwischenmenschlichen Ereignis und wirken als wichtige Faktoren in unserer Sozialisation.1 Kunst kann uns die Vielfältigkeit unserer Welt bewusst machen. Dieses Bewusstsein ermöglicht Berührungsängste abzubauen und führt zur gegenseitigen Akzeptanz. Sobald die Bedeutung des Mangel an ethnischen oder anderen Unterschieden erkannt, aufgenommen und verstanden wurde, kann man Heimat mit neuer Wahrnehmung definieren.

1 Vgl. Bruno Bettelheim: Kinder brauchen Märchen


Kurzbiografien der Gruppenmitglieder:


Andre Jenö Raatzsch (geb.1978 Ilmenau) Künstler; lebt in Berlin.
www.raatzsch.com

2008- 10 Art in Context Studium an der UdK Berlin, 2007- 10 Doctor of Liberal Arts Studium an der Akademie für Bildende Künste Budapest, 2006- 07 Forschungsarbeit an der Kunst Akademie Nürnberg beim Prof. Georg Winter, 2001-06 Studium an der Akademie für Bildende Künste Budapest.
Teilnehmer an der ersten Roma Pavillon: Paradise Lost an der 52. Biennale in Venedig.

"Paradise Lost (Verlorenes Paradies) ist die erste Schau, die eine Auswahl zeitgenössischer Roma-Künstler präsentiert. Die Ausstellung zeigt die Talente der größten ethnischen Minderheit Europas in den visuellen Künsten. Die Künstler umarmen und transformieren, negieren und dekonstruieren, widersetzen sich und analysieren, provozieren und überschreiben die existierenden Stereotypen auf selbstbewusste intellektuelle Weise und erfinden die Roma-Tradition und deren Elemente als zeitgenössische Kultur neu..."
(Tímea Junghaus, Kuratorin)

Melanie Ludwig, seit 2006 Freiberuflich tätig als
Tanzpädagogin und Solotänzerin
www.melunatanz.de

2007 Teilnahme am Kunst - und Kulturfestival "48 Stunden Neukölln ",
2005 – 2007, Tanzpädagogikausbildung in Düsseldorf, 2002 – 2005 Studium der Ethnologie an der FU Berlin und Erziehungswissenschaften an der HU Berlin, 2002 Begegnung mit dem Maler, Holz - undSteinbildhauer Rudolf Heltzel Auftritte als Ausdruckstänzerin u.a. in Zusammenarbeit mit dem peruanischen Pianisten César Gustavo La Cruz, Weitere Begegnungen mit dem Wortkünstler Helmut Bröker, sowie Leonore Naujok, 1998 –2004 Berlin : Weiterentwicklung des eigenen Tanzstils, inspiriert durch den Zeitgenössischen Tanz, Flamenco, Klassischen Indischen Tanz,Orientalischen Tanz,Afrikanischen Tanz, Pantomime, Höfischen Tanz an der Universität der Künste Berlin bei J.Voß, sowie Ensembleproben,1997 Siegerin des Talentwettbewerbes für " Darstellende Beiträge " Crimmitschau in Sachsen, Fortlaufende Arbeit an eigenen Choreographien und Soloauftritte, 1994 –1996 Mitwirkung in der Gymnasialjazztanzgruppe Crimmitschau und Leitung anderer Tanzgruppen


Emese Benkö, Dipl. Germanistin (Univ.),

ab März 2009 Mitarbeit am Kulturring e. V. in Berlin, Studio Bildende Kunst Lichtenberg; spricht fünf Sprachen; Jan. - Aug. 2008 praktische Mitarbeit an dem internationalen literaturfestival berlin (ilb), 2001 – 2006 Studium der Germanistik und der Ungarischen Sprache und Literatur in Budapest, 2006 Diplom; 1998-2000 Ausbildung zur Steinbildhauerin; 1991-1995 Zoltán Kodály Fachmittelschule für Musik in Debrecen, Fach Klavier.

Weitere Mitarbeiter:

Anja Bodanowitz

Christoph Balzar